2-Tages Mountainbikeabenteuer im Karwendel!

IMG 20180730 WA0053bDie Entdeckung des unbekannten Bekannten!
Warum nicht einmal die unbekannten Karwendeltäler erkunden. Nachdem die große Karwendelrunde für Mountainbiker zur Standartrunde gehört, auf der sich bei schönem Wetter die Biker in einer langen Schlange in Richtung Karwendelhaus bewegen, sieht es in der Nachbarschaft schon etwas anders aus.
Das Hinterautal ist wegen dem Isar Quellgebiet noch eines der bekanntesten der benachbarten Karwendeltäler. Doch das Gießenbachtal, das Eppzirler Tal, Gleirschtal, oder Samertal gehören bei den Bikern eher zu den wenig befahrenen Tälern. Das hat auch seinen Grund, handelt es sich zum einen um Stichtäler die in hochalpinen Gelände enden und zum anderen auch um nicht gerade leicht zu bewältigende Auffahrten! Aber entschädigt wird man auf alle Fälle durch eine einzigartige wildromatische Landschaft und tollen Hütten. Diese Täler waren nun das Ziel unserer zweitägigen Karwendelrunde.

 

Die Touren – jedem das seine!
Zwei fordernde Touren in zwei Gruppen galt es am ersten Tag zu bewältigen! Alle starten in Gießenbach nahe Scharnitz! – und es sei auch bemerkt - bei schönstem Wetter! Die erste Tour führte uns erst mal zurück nach Scharnitz zum Eingang in die Karwendeltäler. Vorbei ging es am Abzweig zum Karwendelhaus und hinein in das Hinterautal. Nur wenige Meter nachdem der Karwendelbach tosend durch eine eindrucksvolle Klamm von links kommend in den Isarlauf fießt beginnt die Straße anzusteigen und lässt uns so die ersten Höhenmeter gewinnen. Ab der Gleirscherhöhe folgt nun die Stichtour zur wunderschön in saftigen Almwiesen gelegenen Kristenalm. Dabei zweigten wir nach einer Kurve zunächst nach rechts hinunter zur Isar ab um dann auf der anderen Seite wieder bergauf immer dem Gleirschtal folgend zur Kristenalm zu unserer wohlverdienten Mittagsrast zu gelangen. Nach der Rast ging es dann anschließend zurück zur Isar und immer an ihr entlang weiter bergauf durch das Hinterautal in Richtung Talschluss. Umsäumt von den massiven Gipfeln der Hinterautal-Vomper-Kette im Norden und der Gleirsch-Halltal-Kette im Süden bahnt sich hier die beschaulich plätschernde, kristallklare Isar seit Jahrtausenden ihren Weg durch das Karwendelgebirge um schließlich knapp dreihundert Kilometer weiter nahe Deggendorf in der Donau zu münden. Ab der Kastenalm wird der Fahrweg teilweise sehr steil und erfordert neben der nötigen Kondition auch eine ordentliche Portion Fahrgeschick. Erst ab dem Lafatscher Niederleger wird es etwas flacher, bevor es kurz vor dem Hallerangerhaus (1768m) wieder knackig bergauf ging. Schnell sind dann die Strapazen der Auffahrt bei dem ein oder anderen isotonischen Getränk auf der Terrasse der Hütte wieder vergessen.
Aber es gab ja noch eine zweite Gruppe an diesem Tag – und wir, nur zu zweit, folgten einer 23 Jahren alten Mosertour. – Doch dazu später! Auf alle Fälle kamen wir auch am Halleranger Haus an, allerdings später und von oben!
Doch nun stand für uns alle erstmal die Hüttenübernachtung an. Nach dem Beziehen der Zimmer, der Einteilung der Stockbetten und dem organisieren der Duschmarken konnten wir den Abend bis zur Hüttenruhe richtig ausklingen lassen. Es sei hier nur bemerkt dass der Name „Halleranger Haus“ je nach getrunkenem isotonischem Malzgetränk nicht mehr fehlerfrei über die Lippen kommt (Hallaanaaus)
Unser zweiter Tourentag gestaltete sich dagegen sehr entspannt. Nach unserer Übernachtung auf dem „besagten Haus“ besuchten wir am Morgen erst mal die „richtige“ Isarquelle auf 1770m und rollten danach alle gemeinsam ohne Stress vom Halleranger Haus bergab das Hinterautal zurück. Es ging wie auch schon am Vortag für die erste Gruppe über die Isar und weiter in das Gleirschtal hinein. Tief unter uns konnten wir auch die Gleirschklamm erkennen. Nun wechselten wir die Talseite und über die Oberbrunnalm fuhren wir anschließend noch in das wunderschöne Eppzirler Tal zur gleichnamigen Alm. Nach einer ausgiebigen Mittagsrast gelangten wir dann letztendlich durch das Gießenbachtal zurück nach Scharnitz.

Das Moser-Projekt (Versuch einer Erklärung)
Es gab sie ab den frühen 90'gern. Damals fuhr man Mountainbike in farbigen Lycra Hosen, schaltete mit der guten alten Shimano „DX“, trug Styroporschalen auf dem Kopf und eine Federgabel gab es nur an Motorrädern.
Zu dieser ursprünglichen Zeit kamen die „Moser Führer“ auf den Markt, sie revolutionierten durch das geniale System der Tourenkarten die ganze MTB Szene. Im Raum Füssen, Garmisch, Karwendel, Tegernsee oder sogar dem Gardasee war man fast ausschließlich auf „Mosertouren“ unterwegs. Das war praktisch, da man sich eigentlich um die Tourenplanung nicht mehr kümmern musste. Man hatte schon von vornherein alle Informationen über die Tourenschwierigkeiten, die Kilometer, Höhenmeter und das wichtigste, die Fahrzeiten, beisammen.
Doch die Führer bargen auch düsteres! Ganz hinten auf den letzten Seiten da standen sie, die sogenannten „Touren am Ende“, jene sagenumwobenen Touren die zu bewältigen man ein ganzer Mountainbiker sein musste. Hier las man von „unverhältnismäßig langen stahlseilgesicherten Tragestrecken, pervers steilen Auffahrten, Abfahrten und Abstiege, so verblockt, rutschig und steil, das einem das Adrenalin buchstäblich aus den Augenwinkeln rinnt. Kurz gesagt, Touren nur für wirkliche Cracks“. Wenn man Glück hatte, kannte man damals einen, der wiederum einen kannte, der zumindest gehört hatte, dass jemand so eine Tour schon mal gefahren ist. Aber nichts desto trotz, diese waren dann aber die Helden schlechthin. Nun über 23 Jahre später bekam ich wieder so einen Moser Führer in die Hände. Genauer den Moser Führer Karwendel, Wetterstein von 1995. Sofort war sie wieder da, die Neugierde auf die letzten Seiten. Ich musste sie einfach wieder lesen. Die Touren am Ende des Führers. Ehrfurchtsvoll packte ich die dazugehörenden noch jungfräulichen Tourenkarten aus, ohne jegliche Knick- und Gebrauchsspuren. Man muss sich vorstellen, dass damals diese Tourenkarten, je nach Länge der Tour mehrfach geknickt in einer Plastikhülle verstaut wurden. Um dann auf Tour mehrfach aufgeklappt, wieder zugeklappt, vollgeregnet, in den Dreck geworfen, mit Apfelsaft vollgeschüttet, vollgeschwitzt, kilometerlang im Mund gehalten oder sogar überfahren zu werden, um nur einiges zu nennen. Kurzum eine Moser-Tourenkarte spiegelte die Strapazen, Tragödien die eigenen Tiefpunkte wie auch die Erfolge und Hochgefühle der jeweiligen Unternehmung wieder und war so etwas wie ein stummer Tourenzeuge. Aber diese noch jungfräulichen Karten verkündeten eigentlich nur – gar nichts!
Das musste sich nun ändern, alle bisherigen Touren verblassen, wenn es nicht endlich gelingt einer dieser Karten zu folgen!
So reifte in mir der Gedanke genauso eine Mosertour in unser Karwendelwochenende einzubauen, genauer die Moser Tour 44 – Von Scharnitz über das Lafatscher Joch - und nun waren wir zu zweit unterwegs.
Was soll ich schreiben? „unverhältnismäßig lange stahlseilgesicherte Tragestrecke, pervers steile Auffahrt, Abfahrten und Abstiege, so verblockt, rutschig und steil, das einem das Adrenalin buchstäblich aus den Augenwinkeln rinnt.“ – aber hey - es war hier kein einziges E-Bike unterwegs.

So nun genug abgeschweift, wir hoffen es konnte jeder tolle Eindrücke und Erlebnisse von diesem Wochenende mit nach Hause nehmen und es macht auch wieder Lust auf mehr.
In diesem Sinne bis zur nächsten Unternehmung.

Eure Guides
Bianca und Bernd G.

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