Alpen X 29.06. - 06.07.2019

kl001 Titelbild1Wie schon Andreas Albrecht in seinem Transalp Roadbook 1 schrieb „Mindestens eine Tour mit 1000 Höhenmetern im Anstieg und Transalp Rucksack sollte vor dem Alpen X mal absolviert worden sein“ machten wir uns zwei Wochen vor dem eigentlichen Alpen X auf ins Karwendel und schrieben uns gleich mal 80 km und 2000 hm auf die ToDo-Liste.

Mit den Alpen X Teilnehmer plus zwei „Gastfahrern“ starteten wir am Wanderparkplatz in Krün und fuhren uns über Mittenwald nach Scharnitz warm. Von Scharnitz ging´s immer entlang am Karwendelbach hinauf zum Karwendelhaus. Während des Anstiegs kam von einem Teilnehmer die Frage „sind wir hier im kleinen Val Mora?“ und JA, durch den harten und langen Winter mit gigantischen Schneemaßen hat sich das Karwendeltal teilweise ganz schön verändert und man hatte wirklich stellenweise den Eindruck als würde man durchs Val Mora radeln. Pünktlich zur Mittagspause kamen wir am Karwendelhaus an wo wir erstmal wieder unsere Energiereserven auffüllten. Über den Hochalmsattel ging es über einige noch hohe Schneefelder weiter zu den Ahornböden. Zum Höhenmetern sammeln fuhren wir über einen „Bonus Track“ ein paar Höhenmeter nochmal hinauf Richtung Falkenhütte bevor es auf breiter Forststraße ins Rißtal ging.

 

Auf Teerstraße durch Hinterriß hindurch ging´s zum Anstieg auf die Fereinalm. Auch hier hatte der Winter deutliche Spuren hinterlassen. Kurz vor der Fermersbach Durchquerung war der Weg schlicht weg versperrt. Von der Gegenüberliegenden Hangseite hatte sich wohl eine Lawine gelöst und auf der anderen Seite fast alle Bäume umgenommen die im Weg waren. Dank eines super Tipps konnten wir aber einen fast nicht sichtbaren Pfad finden und so die Bäume sicher umgehen. Kurze Abkühlung bei der Durchquerung des Fermersbach schon ging es weiter zu den letzten 300 Hm zur Fereinalm. Nach einem bleifreien Isotonischen Regenerationsgetränk machten wir uns auf zur Abfahrt. Erschöpft aber hochmotiviert zum Alpen X und vor allem zu den nächsten 300 hm ;) erreichten wir Krün.

Mit dieser durchaus Beispielhaften Alpen Transalp Etappe waren wir bestens vorbereitet.

AlpenX Tag 1 Oberstdorf – Wald im Arlberg

Los ging´s am Samstag, 29.06.2019 an der Talstation Fellhornbahn in Oberstdorf, nach dem obligatorischen Start-Gruppenbild, Bike-Check und Einführung in die nächsten Tage starteten wir bestens bepackt Richtung Schrofenpass. Schon nach ein paar Metern mussten wir aber leider feststellen dass der erste Anstieg unserer Tour ganz schön Scheiße ist, warum konnten wir uns aber nicht ganz erklären. Immer im Tal entlang mit Ausblick zum Mindelheimer Klettersteig und umliegenden Gipfeln ging es im gemütlichen Tempo bergauf. Kurz vor Ende des fahrbaren Weges wurde uns dann auch klar warum der Weg so Scheiße war. Wir hatten genau das Wochenende erwischt wo in diesem Jahr der Almauftrieb war. Die Kühe standen zwar schon auf den Weiden und die Knechte machten bereits Brotzeit, jedoch um den verschissenen Weg hatte sich noch niemand gekümmert. So starten wir dann auch in die erste Tragepassage hinauf zum Schrofenpass, der teils ausgesetzte Weg der mit Leitern und Seilen gesichert ist, ist unter Alpencrosslern bestens bekannt und bietet schon in den ersten Stunden ein richtiges Highlight. Belohnt wird der harte Aufstieg mit einem super Ausblick und einer naturbelassenen Trail-Abfahrt nach Warth.

Von Warth fuhren wir über die Teerstraße weiter nach Lech und anschließend nach Zug. Von dort aus verließen wir den befestigten Untergrund und fuhren über eine relativ steile Auffahrt (>20%) weiter zur Ravensburger Hütte. An sich ein guter Weg zu fahren aber durch die Rest Schneefelder wurden wir zum Schieben gezwungen. Erschöpft aber überaus überrascht erreichten wir die Ravensburger Hütte zur Einkehr, was uns hier für Naturschauspiel geboten wurde hatte so auch keiner erwartet. Die Landschaft gab so viele Eindrücke her dass wir eigentlich gar nicht weiter wollten. Gestärkt für

die Abfahrt ging es auf einem Wanderweg der fast schon zu perfekt zum Mountainbiken war hinunter nach Wald im Arlberg wo die erste Etappe endete.

AlpenX Tag 2 Wald im Arlberg – Bodenalpe (Ischgl)

Die zweite Etappe startete fast wie die Erste. Um Höhenmeter zu sparen fuhren wir den ersten Anstieg mit dem Lift hinauf zum Sonnenkopf und folgten einem Schotterweg hinunter ins Silbertal. Vom heutigen tiefsten Punkt der Etappe stand ein nun 1300 hm langer Anstieg vor uns. Von Beginn an mussten bereits Rampen mit fast 20%-Steigung bewältigt werden. Nach dem ersten Viertel wurde der Weg aber flacher und man konnte die landschaftlichen Eindrücke auf sich wirken lassen. Nach 2 stündiger Auffahrt begann die erste Schiebepassage, hindurch zwischen Kuhweiden und vorbei am Langsee erreichten wir die Auffahrt zur Heilbronner Hütte die es nochmal richtig in sich hatte. Der lange Winter hatte auch hier seine Spuren hinterlassen, die letzten 300 hm stapften wir einfach nur im Schnee, von oben Sonne und von unten ein riesiger Schneespiegel. Wie in einer Mikrowelle schoben und trugen wir unsere Bikes über die Schneemaßen, jedes Mal wenn wir dachten hinter dieser Kuppe ist die Hütte zu sehen kam eine weitere Kuppe. Nach nochmal fast zweistündiger Schufterei kamen wir tatsächlich schonend gegart an der Heilbronner Hütte an. Dass wir keinen richtigen Schattenplatz mehr bekamen spielte schon fast keine Rolle mehr da ab jetzt sowieso alles besser war als im Schnee zu stehen. Zeitlichen sind wir leider etwas in Verzug geraten und konnten so nur eine kurze Pause zum Stärken machen, es standen schließlich noch 500 hm von Ischgl hinauf zur Bodenalpe auf dem Plan. Teils völlig erschöpft erreichten wir die Alpe dann schließlich auch nach fast gesamt 10 Std. Tourenzeit.

AlpenX Tag 3 Bodenalpe – Tschierv

Dank der super Bewirtung in der Bodenalpe starteten wir bestens regeneriert weiter über den Fimbapass in die Schweiz. Auch der Weg zum Fimbapass war noch mit Schneefelder bespickt diese konnten wir aber viel entspannter bewältigt werden da es immer nur ein paar Meter waren. Angekommen an einem der höchsten Punkte des AlpenX auf 2608 Metern fuhren wir weiter nach Gramosch. Bereits nach wenigen Metern in der Abfahrt mussten wir eine Zwangspause einlegen. Einmal jährlich werden die Kühe vom Unterengadin in der Schweiz ins Fimbatal getrieben um dort den Sommer zu verbringen. Schon beeindruckend wie schnell so eine Herde bergauf kommt, da kann sich so mancher Wanderer noch richtig was abschneiden. Nach einer kurzen Schrecksekunde im Trail erreichten wir Gramosch wo wir uns bei Nusskuchen und Cola für die restlichen Tiefenmetern stärkten. Über einen Wanderweg mit Hängebrücken und Spitzkehren erreichten wir Scoul. Vor der nun vor uns stehenden zermürbenden Auffahrt nach Charl´s wurde ich bereits in der Planungsphase hingewiesen wollte aber irgendwie fast schon zwanghaft dort hinauf. Führte der Weg zu Beginn noch geteert bergauf waren wir irgendwann gefühlt in einem nicht besonders Eindrucksvollen Kieswerk unterwegs wo uns ständig der Postbus oder Lkw´s überholten. Lohnenderweise wurde der Weg nach Charl´s dann landschaftlich wieder eindrucksvoller. Kurz vor Ende des Anstiegs kamen wir dann noch in einen Regenschauer der uns bis Tschierv nicht mehr loslassen wollte. Im Hotel angekommen erwartet uns bereits der Besitzer, in der Schweiz wird Service großgeschrieben, so entriss er uns gleich unsere Räder, diese hatte er für uns abgespritzt und stellte uns Wäschekörbe für unser Radklamotten zur Verfügung. Bei einem 4-Gänge Gourmet Menü ließen wir diese Etappe ausklingen.

AlpenX Tag 4 Tschierv – Valdidentro

Nach den ersten drei Etappen hatten wir bereits 28 Std. Tourenzeit hinter uns. So war die nun vor uns stehende Etappe ins Valdidentro ein richtiger Regenerationstag. Nach Bike-Check, Kette Ölen und Bremsbelagwechsel starten wir hinauf zum Ofenpass und weiter ins Munt Buffalora. Landschaftlich übertraf diese Etappe alles bis hierher dagewesene. Über saftige Wiesen umringt von mächtigen Felsen fuhren wir vorbei an weiteren Kuhweiden über den Passo Gallo der am Ende des

Lago di Livigno liegt hinunter zu den Lago di Cacano Stauseen. Nach einer ausgiebigen Mittagspause erwartete uns eine steile Rampe zur Alpe Trela. Auch heute sollte das schieben nicht zu kurz kommen, so mussten die letzten Meter zum Passo Trela schiebend bewältigt werden. Nach einem sehr amüsanten Fotoshooting und einem niedlichen Schneefeld starten wir in die Abfahrt. Bereits nach gut 7 Std. erreichten wir Valdidentro und ließen die Etappe bei Eis, Bier und Spritz im Cafe neben unserem Hotel ausklingen.

AlpenX Tag 5 Valdidentro - Ponte di Legno

Etappe fünf = Königsetappe. Mit dieser Ansage starten wir nach Frontale von wo aus uns ein fast 2000 hm langer Anstieg erwartete.

Im Belgischen Kreisel schossen wir nach Frontale, so waren die ersten 20 km bereits nach einer Stunde Geschichte. Die nun 2000 vor uns stehenden Höhenmeter hinauf zum Gavia Pass führte zu Beginn auf geteerten Untergrund der dann nach Fumero auch endete. Auf einem weiter stufigen Untergrund kämpften wir bis zur Rifugio La Baita im Val di Rezzalo wo wir uns bei Kuchen, Cola und Kaffee für den weiteren Anstieg stärkten. Nach gesamt fast 5 stündiger Plackerei erreichten wir den ersten Pass für heute. Leider holte uns nun ein Gewitter ein und so fuhren wir zügig aber kontrolliert bis zur Passstraße zum Gavia Pass wo wir uns unterstellen konnten. Nach einer kurzen Zwangspause erklommen wir die letzten 300 hm zum Gaviapass. Auch hier durfte das übliche Fotoshooting vor dem Gavia Pass Schild nicht fehlen so führt hier auch der Giro d'Italia vorbei. Abwärts ging es auf der Passstraße, den geplanten Trail ließen wir bei den feuchten Bedingungen aus, bis nach Ponte di Legno waren es schließlich auch noch 1400 hm bergab.

Eigentlich ist bei jeder Etappe ja der Weg und die Landschaft das Highlight, doch das 4**** Hotel bleibt uns glaub noch in länger Erinnerung. Völlig verdreckt und nass durften wir tatsächlich einchecken. Beim Abendessen mussten wir uns dann zusätzlich zum Hauptgang irgendwie zwischen Salat- und Pizzabuffet entscheiden, beides ging aber auch rein und zur totalen Überforderung gab es dann auch noch Bier und Wein vom Fass inklusive. Umrahmt von einem italienischen Alleinunterhalter war dieser Abend fast das eigentliche Highlight der Etappe.

Etappe 6 Ponti di Legno – Madonna di Campagnilo

Gut erholt und perfekt gefrühstückt ging es bereits nach wenigen Metern bergauf, zuerst auf geteerten Wegen und anschließenden Schotterweg hinauf nach Case di Visio, einem kleinem Italienischen Ferienort, ab hier war auch der gemütliche Teil vorbei. Die nun anstehenden 650 hm hinauf zur Bozzi Hütte wollen erstmal gefahren werden. Der teils ausgesetzte Weg führt auf einem schottrigen Untergrund mit mehr oder weniger festen Geröll steil bergauf. Auch wenn man die Fahne der Bozzi schon sehen konnte war die Quälerei noch längst nicht zu Ende. Nicht ganz zusammenhängend erreichten wir nacheinander die Hütte. Was für ein Panorama, bei strahlendem Sonnenschein machten wir erstmal Brotzeit und sammelten nochmal Energie für die letzten Meter. Der heute höchste Punkt, die Motozzo Scharte auf 2613 m lag nun zum greifen nah konnte aber, wie soll es auch anders sein, nur schiebend über Restschneefelder erreicht werden. Oben angekommen schnell Foto gemacht, Panorama wirken lassen und los ging´s in die Abfahrt. Zu Beginn führte der Trail steinig aber nicht besonders steil bergab. Nach ca. 1/3 der Abfahrt wurde der Untergrund schottrig und steil, da kam so richtig Freude auf, trotzdem hatte man aber immer einen kurzen Blick auf den türkisblauen Lago di Pian Palü übrig. Die letzten Tiefenmeter zum See bekamen wir dann noch eine Kuheskorte. Vorneweg und hinter uns begleiteten uns zwei Kälber bergab. Vom See führt eine geteerte Straße hinab nach Cogol. Leider hatten wir an einer Bremse einen Defekt und mussten eine Werkstatt aufsuchen die uns zumindest mit neuen Belägen helfen konnte, der Rest sei mal dahingestellt. Aus zeitlichen Gründen beschlossen wir der Bundestraße weiter nach Dimaro zu folgen und von dort dann aber wieder über den Waldweg weiter nach Madonna zu kurbeln. Nach gut 10,5 Std und 2350 hm erreichten wir dann etwas ausgepowert Madonna.

Etappe 7 Madonna di Campagnilo – Riva del Garde (Nago)

Das beste kommt zum Schluss heißt es ja so schön, das stimmte in diesem Fall auch tatsächlich wobei die letzte Etappe die vorhergehenden nicht mehr toppen konnte. Nach einer kurzen Einrollphase durch Madonna fuhren wir weiter zum Wasserfall di Mezzo und anschließend vorbei am Lago di Valàgola hinauf zum Passo Bregn del´Ors. Auch hier konnten die letzten 150 hm nur schiebend gemacht werden, aber das waren wir ja schon gewohnt. Ab hier ging es nun so gut wie nur noch bergab, der höchste Punkt der Etappe 1836 m war erreicht und hinunter zum Gardasee der gerademal auf 80 m liegt waren nur noch kurze „Staudenanstiege“ zu erwarten. Daher gibt es ab hier auch nicht mehr viel zu erzählen. Mittagspause mit Pizza und Nudeln gab es in Ponte Arche, die wurde aber auch gleich wieder beim nächsten Staudenberg vernichtet und Pünktlich mit den Kirchenglocken zum 15 Uhr schlag rollten wir in Riva ein.

Wahnsinn 7 Etappen 10 Anstiege mit über 700 m am Stück und rund 412 km lagen hinter uns. Gesamt hatten wir über 66 Std. reine Tourenzeit. Wir hatten alle tiefen und höhen, sei es weil das Wetter mal kurz nicht mit machte oder einfach dieser blöde Anstieg seinen Höhepunkt nicht erreichen wollte, alles für kurze Zeit vergessen wenn man am Ufer des Gardasees sitzt, einfach den Moment wirken lässt und das strahlende Lächeln seiner Begleiter sieht. Das Erlebnis „Alpen Cross“ war nun so gut wie beendet, die traditionellen zwei drei Weizen am See, die letzten 300 hm nach Nago, die Nudeln mit Meeresfrüchte und Vino Rosso im Restaurant des Vertrauens und auch der zum Schluss unvermeidbare Abstecher zum TexMax (der das eigentliche Alpen X Ziel war) gehörten schon zum Standard und gaben auch diesem Alpen Cross das würdige Ende.

An dieser Stelle möchte ich mich bei den 4 Crosslern Theo, Werner, Marius und Peter die sich auf das Abenteuer mit mir eingelassen hatten bedanken. Als junger Fachübungsleiter war dieser Cross als Guide für mich der erste in dieser Art und damit auch für mich persönlich der eigentliche Abschluss zur Ausbildung zum Fachübungsleiter, auch wenn ich den FÜL-Schein doch schon zwei Jahre habe ist die Herausforderung auf so einem Alpen Cross nochmal ganz was anderes.

Bis zur nächsten Tour, sei es bei der nächsten Sonntagsrunde und oder irgendwo auf dem Trail.

Grüße Daniel Frey

kl002 Kurz vor der Fermersbach im Karwendel kl003 Kurze Abkühlung im Fermersbach
kl004 Auftsieg im Schroffenpass kl005 Mitten im Schroffenpass
kl006 Blick zum Silbersee kl007 Ravensburger Hütte
kl009 Lagebesrechung vor dem Aufstieg im Silbertal kl010 Aufstieg im Silbertal 
kl011 Blick zurück der letzen 2Std von der Heilbornner Hütte  kl012 Die letzten Meter zur Heilbronner Hütte 
kl014 Fimbapass  kl016 Die Traditionelle Einkehr in Garmosch 
kl017 Im Munt Buffalora  kl022 Die letzten Meter zum Gavia Pass 
kl024 Bozzi Hütte  kl025 Auf der Motozzo Scharte 
kl026 Blick in die Abfahrt von der Motozzo  kl028 Lago di Valàgola 
kl001 Titelbild1