Alpen-Cross Juli 2021

Etwas verspätet kommt jetzt noch ein Nachbericht zum letztjährigen Alpen-Cross im Juli 2021.

Am 03.07.2021 startete ein fast schon bunt zusammen geworfener Haufen in eine 8-tägige Reise von Mittenwald über die Dolomiten an den Gardasee. Warum ein bunter Haufen? Schepi der vor nichts zurückschreckt und überall eine Variante sieht, Günter, der die Strecke auf schwarzem Untergrund mit weißen Mittelstreifen liebt, Roland, der immer auf der Jagd nach dem weißen Trikot mit roten Punkten ist, Thorsten, der Neuling unter den Alpencrosslern ist und ich als Guide, der aus allem etwas mitbringt, aber eigentlich keine Zeit hatte.

Mit der Deutschen Bahn fuhren wir von Schwabmünchen nach Mittenwald. Dies war auch schon die erste Herausforderung. Da der Zug (mit Fahrrädern) relativ voll war, bauten wir zum Teil die Räder aus, damit wir die Bikes besser stapeln konnten und uns die nette Schaffnerin uns nicht beim nächsten Halt rausschmiss. Nach einem Bike-Check in Mittenwald und dem ersten Gruppenbild starteten wir zum Karwendelhaus. Zwar ist der erste Anstieg als Einstieg nicht der kürzeste die faszinierende Landschaft durch das Karwendeltal bei strahlendem Sonnenschein machte dies aber alles wieder weg, auch wenn wir zwischendurch von motorisierten Bikes überholt wurden. Nach einer kurzen Stärkung ging es über den großen Ahornboden ins Risstal und weiter auf Forstwegen zum Plumsjoch. Noch ein Bild am Achensee, den wir auf dem Weg zur Pension nach Jenbach passierten, und schon war die erste Etappe geschafft.

Die zweite Etappe startete erstmal mit einer flachen Strecke ins Zillertal nach Mayerhofen. Von hier aus führte der lange Anstieg hinauf zum Schlegeis Stausee. Der Weg verlief bei angenehmer Witterung mit moderater Steigung auf der Alpenstraße. Kurz vor der Mautstation zweigten wir auf einen eigens angelegten Mountainbike Weg ab und erreichten nach gut 4 Stunden Bergauffahren den Stausee. Etwas ausgezehrt vom langen Anstieg, stärkten wir uns erstmal mit Suppe und Kuchen im s´Ratschl, bevor wir auf die letzten Höhenmeter zusteuerten. Die hatten es nochmal in sich: so ging es ausschließlich auf einem Wanderweg weiter, der uns stellenweise auch zum Schieben oder gar Tragen zwang, wobei hier mehr fahrbar war, als sich so mancher vorstellen konnte 😉. Pünktlich zum Regeneinbruch erreichten wir unsere Übernachtung, das Pfitscher Jochhaus auf 2276m.

Über Nacht hatten sich die Wolken abgeregnet, und wir konnten bei Sonnenschein in die Abfahrt starten. Zwei von uns nutzten gleich die Gelegenheit und fuhren parallel zum Forstweg (Variante) auf einem anspruchsvollen und etwas verblockten Wanderweg bergab. Im Tal trafen wir uns wieder und rollten gemeinsam nach Fossa Trues, von wo aus wir in die steile Auffahrt zum Pfunderer Joch auf 2568 m abbogen. Dieser Anstieg legte im Vergleich zum Vortag noch einen drauf. Von Beginn an steil auf zuerst geschottertem Forstweg, weiter auf etwas stufigerem Wirtschaftsweg, Flussdurchquerung ohne Brücke und zum Schluss noch schiebend im Schnee erreichten wir deutlich gekennzeichnet das Pfunderer Joch. Nach ein paar gebührenden Fotos aus allen möglichen Perspektiven machten wir uns direkt in den wortwörtlichen Abstieg. Im oberen Bereich lag noch eine richtige Schneewand. Wir mussten daher eine Kette bilden, um die Bikes nacheinander hinunterzureichen, anschließend noch gut 200 hm nach unten zu schieben, und dann ging es endlich auf einen super fahrbaren Trail ins Tal. Hier kam jeder auf seine Kosten. Die letzten Meter führten uns noch auf Teerstraßen nach Kiens, wo wir schon am Nachmittag ankamen. So konnten wir noch ein wenig unsere Taschen mit neuem Proviant und im Eiscafé unseren Zuckerspiegel auffüllen.

Der Fanes Nationalpark stellte in dieser Alpenüberquerung das landschaftliche Highlight, womit wir dann auch mitten in den Dolomiten angekommen waren. Aber zuerst mal zurück nach Kiens. Die ersten Meter waren wieder eine Geduldsprobe. Entlang einer nicht wenig befahrenen Bundestraße kämpften wir uns nach St. Vigil. Die Anstrengungen bis hierhin sollten sich aber auszahlen. Direkt nach St. Vigil fuhren wir auf Nebenwegen nach Pederü und weiter in den Fanes Nationalpark. Teils nackter Felsen und dann, doch wieder bewirtschafte Felder zwischen massiven, steilen Wänden machten die zum Ende hin immer steilere Auffahrt in der Mittagssonne zu einem Kinderspiel. Etwas getrennt voneinander erreichten wir die kleine Fanes Hütte zur Einkehr. Beeindruckt von der umgebenden Landschaft, wollt eigentlich keiner mehr so richtig wieder los. Die letzten Meter zum Passo Limo waren letztendlich auch keine Herausforderung, hatten wir doch schon die folgende Abfahrt im Visier. Nach einigen Fotostopps und einem bis dahin vermuteten Zwischenanstieg (schiebend 300 hm) erreichten wir den Passo Posporcora. Von dort führte uns ein landschaftlich faszinierender Höhenweg ins Skigebiet Cortina d’Ampezzo. Gut zwei Kilometer vor unserer Übernachtung hatten wir den Weg verloren bzw. es gab ihn einfach nicht mehr. Jegliches Kartenmaterial, das wir hatten, ob Kompasskarte in Papier, als App, Open-Street-Map und wie die alle heißen, brachten uns nicht weiter. Letztendlich gab uns ein Lkw-Fahrer (der einzige Mensch weit und breit) im Skigebiet den Tipp, dass wir die Skipiste hochschieben sollen um auf einen Wanderweg zu kommen, der uns direkt zur Unterkunft führen sollte. Nach gut einer Stunde suchen, 150 hm hoch und runter schieben kamen wir pünktlich zum Abendessen doch noch im Etappenziel an. Schluss von der ganzen Geschichte war, dass für die Skifahrer der weitere Wegverlauf wohl vor Jahren schon verlegt wurde, die neuen Markierungen aber bis dato noch nicht vollständig gemacht wurden.

Erholt und gestärkt ging es am nächsten Tag weiter in den Nationalpark Cinque Torri. Einige kannten dieses Gebiet auch vom Motorradfahren, wobei wir in der ersten Etappenhälfte die meiste Zeit abseits der festen Wege unterwegs waren. Wir habe noch den ein oder anderen Trail mitgenommen, bevor es aus dem faszinierenden Bergmassiv der Dolomiten Richtung Südwesten hinausging. Der zweite Teil der Etappe war wirklich kein Highlight. Durch einen Windwurf im Winter 2018 sind bis heute einige Nebenwege gesperrt. Wir wurden deshalb auf die Teerstraße gezwungen, was beim einem sogar das Herz aufgehen lies (weißer Mittelstreifen 😉). Keine Etappe ohne schieben. Um uns Höhenmeter für den folgenden Tag zu sparen, übernachteten wir auf halbem Weg zum Passo di Valles, was uns noch 300 hm schiebend durch ein weiteres Skigebiet einbrachte.

Die Etappe 6 beinhaltete drei Anstiege, drei Pässe und entsprechend anspruchsvolle Abfahrten. Zuerst ging es weiter zum Passo di Valles, hier fuhren wir noch auf festen Wegen zum nächsten Anstieg im Naturpark Pala zum Passo Rollo. Dort erwischte uns auch zum ersten Mal ein kurzer Regenschauer, was uns im Anstieg nicht allzu viel ausmachte. Nach ein paar Foto-Sessions zwischen alten Kriegsdenkmälern und Gräben vergangener Zeiten ging es auf einem Flowtrail nach St. Martin zur Mittagseinkehr. Gut, dass wir erst oben am nächsten Pass bemerkten, dass es hier auch einen Lift gegeben hätte, so strampelten wir die für heute letzten 700 hm gemeinsam bis zum letzten Pass. Da nun auch ein Gewitter hereinzog, machten wir uns in Regenkleidung in die technisch anspruchsvolle Abfahrt. Beginnend im S1 Bereich wurde der Weg immer verblockter und durch den Regen auch rutschiger. Teils bremsend mehr rutschend entschied letztendlich das Vorderrad, wo es hinging. Bevor uns das Zentrum des Gewitters erreichte, konnten wir uns an einer Futterhütte unterstellen, wo wir das Unangenehmste abwarten mussten. Die letzten Meter bergab gingen dann flott auf einem Schotterweg in das verschlafene Dorf Caoria, in dem es genau eine Unterkunft gab. Völlig durchnässt und vor Dreck triefend kamen wir im „Albergo Al Pin di Taufer Moreno“ an. Vom ersten Eindruck waren wir nicht so optimistisch, was ich hier gebucht hatte.
Von außen nicht wirklich ansprechend und die Stube gefüllt mit der halben Stammtisch-/ Dorfgemeinsacht, die uns wenig begeistert ansah. Dies verflog aber sehr schnell. Die Wirtin stellte uns erstmal einen Wäschekorb für unsere Kleidung hin. Nachdem wir unsere Räder gereinigt, Kette geölt, zum Teil Bremsbeläge gewechselt hatten, nutzen wir diesen Service auch gleich. Beim Abendessen erwartete uns ein leckeres, mehrgängiges Menü mit dem einen oder anderen Glaserl Wein. Fürs Frühstück beindruckte uns ein gewaltiges Büfett mir selbstgemachten Leckereien. Wer mal in der Gegend ist: die Einkehr rentiert sich auf jeden Fall, sogar für einen kleinen Umweg.

Frisch nach Waschmittel duftend ging es in die vorletzte Etappe, die wir gleich mit einem Anstieg auf den Passo 5 Crocis starteten. Oben angekommen legten wir die Räder ab und bestiegen noch den gut 200 hm höher liegenden Stellungskomplex aus dem 1.Weltkrieg. Schon faszinierend, was dort oben alles passiert ist, leider aber auch erschreckend. Aufgeteilt in zwei Gruppen fuhren wir auf Schotterwegen bzw. auf einem zum Teil extra für Biker angelegten Trail ins Tal und folgten dem Radweg an den Caldonazzosee. Kurze Schrecksekunde noch: gut 5 km vor dem See überholte uns ein Cross-Country Racer, der aber letztendlich auf seinem Oiz nicht von uns wegkam. Gezwungenermaßen, von der Tour de France inspiriert, konnten wir den „Ausreißer“ nicht davonfahren lassen und nahmen die Verfolgung auf – Ein kleiner „Bike-Krimi“ am Schluss 😉. Am Caldonazzosee ging es gleich in das erfrischende Nass, so hatten wir das Etappenziel für heute bereits erreicht.

Der ursprüngliche Plan, die Transalpe am Caldonazzosee zu beenden, werteten wir gemeinsam als eine nicht abgeschlossene Alpenüberquerung, daher hängten wir noch eine Etappe dran, um letztendlich doch am Gardasee zu enden. In diesem Zuge wollten wir eigentlich auch noch hoch nach Santa Barbara, um einen letzten Trail zum See mitzunehmen. Den Plan verwarfen wir aber mitten im Anstieg, da uns einfach ein paar letzte Körner und auch die Motivation fehlten, wollte man doch um 15 Uhr am/im See stehen. Nach kurzer neuer Planung rollten wir pünktlich um 15 Uhr am Ufer des Gardasees entlang. Gekennzeichnet von den Strapazen der letzten Tage, aber überwältigt angekommen zu sein, machten wir unsere Siegerfotos und gingen direkt so wie wir waren in den See zum Baden.

Zum Rest gibt es nicht mehr viel zu berichten: Duschen, Essen, ein Bierchen hier, ein Bierchen da, hoppla, war doch Wein und nach dem einen oder anderen Cuba holte uns am Sonntagmorgen unser Taxi für die Rückfahrt nach Schwabmünchen ab.

Hier noch die Etappen in der Übersicht:

  1. Mittenwald – Jenbach 70km / 1700 hm
  2. Jenbach –Pfitscher Joch 70km / 1900 hm
  3. Pfitscher Joch – Kiens 60km / 1400 hm
  4. Kiens – Cortina d’Ampezzo 60km / 2000 hm
  5. Cortina d’Ampezzo – Falcade 55km / 1700 hm
  6. Falcade – Caoria 50km / 1500 hm
  7. Caoria – Calceranica al Lago 60km / 1500 hm
  8. Calceranica al Lago – Torbole 50km / 1400 hm

Ein rundum gelungener Alpen-Cross mit allen Höhen und Tiefen und einer super Truppe ging nach 8 Etappen zu Ende. Wir hatten keine Defekte, Ausfälle oder Stürze und können behaupten, dass diese Reise Lust nach mehr gemacht hat. Sehen wir mal, wo uns der nächste Alpen-Cross hinführt.

Grüße und immer schön Kette gespannt halten 😉

Daniel Frey

Übersicht (und Untertitel) der Bilder

Etappe 1

Etappe 2

Etappe 3

Etappe 4

Etappe 5

Etappe 6

Etappe 7

Etappe 8

Sektionsabend im Oktober: Verschiebung vom 12.10. auf den 19.10.2022!